Was war zuerst da, die Uni oder die Gemeinschaft -
oder die Entwicklung von Verbindungen an Universitäten
Gemeinschaften von Studenten gibt es schon seit es Universitäten gibt; im alten Griechenland unterschieden sich die Studenten beispielsweise durch die Versammlung um einen bestimmten Lehrer.
Im Mittelalter gründeten sich dann zunächst erste Vorläufer von Verbindungen. Ihre Bezeichnung war Nationes, da sich die Studenten ihrer Herkunft nach (Franken, Bayern, Schwaben, Etc.) zusammenschlossen. Bereits bei der Gründung der ersten deutschen Universität 1348, in Prag gab es, nach dem Vorbild französischer Universitäten, diese Einteilung in Nationes.
1365, bei Gründung der Universität Wien gab es erstmals eine andere Form des Zusammenlebens, die mit den heutigen Wohngemeinschaften vergleichbar ist. Diese, wiederum nach französischen und italienischen Vorbildern entstandenen Gemeinschaften wurden Bursen genannt. Der Begriff Burse, von dem sich der heutige Bursche ableitet, stammt wahrscheinlich vom frz. "bourse" und bedeutet "Wohn- bzw. Verpflegungsgeld". Bis 1600 existierten beide Gemeinschaftsformen nebeneinander, wobei jeder Student in einer Burse war und der lands-mannschaftliche Gedanke durch die Zugehörigkeit zu einer Nationes noch gefördert wurde.
1506 kam es jedoch zum letzten Mal zur Gründung von Nationes, dessen Bestand sich bis etwa 1800 verfolgen lässt.
Eine Gemeinschaftsform, ähnlich den Nationes kam Ende des 16. Jhdts auf. Die Rede ist von den sogenannten Nationalkollegien oder Societates, die im Unterschied zu den Nationes von den Studenten der jeweiligen Herkunftsländer und nicht von den Universitäten selbst gegrün-det wurden. Sie gelten auch als die "Alten Landsmannschaften", und entwickelten mit der Zeit verbandsähnliche Strukturen. Erste äußerliche Unterscheidungsmerkmale waren unterschiedliche Trachten oder Abzeichen, aber auch verschiedenfarbige Bänder am Degenkorb als Erkennungszeichen. Ziele dieser Verbindungen waren Freundschaft, Geselligkeit, aber auch die Unterstützung kranker und notleidender Landsleute und nicht zuletzt das Duellwesen, das zeitweise sogar Pflichtfach an manchen Universitäten war. Wegen der rohen Sitten die in so mancher "Alten Landsmannschaft" herrschte, wurden sie jedoch bald alle verboten. Der wohl prominenteste "Alte Landsmannschafter" war übrigens Goethe.
Der heutige Zirkel als Erkennungszeichen der Verbindungen lässt sich vermutlich auf die ge-heimen Symbole zurückführen, die in der zweiten Hälfte des 18. Jhdts von den ersten studen-tischen Orden als Erkennungszeichen neben Ordenskreuz und Bändern dienten. Die Orden waren Geheimbünde, da sie aufgrund ihrer freimaurischen Gedanken und der Übernahme von Ideen der französischen Revolution in Deutschland verboten und bekämpft wurden. Sie besaßen Sterbe- und Unterstützungskassen und wollten ihre Mitglieder lebenslang unterstützen (Lebensbundprinzip). Der erste derartige Bund wurde 1770 in Jena gegründet und hieß Amicisten-Orden.
Etwa zur Zeit der stärksten Verfolgung der Orden spalteten sich die Corps von den "Alten Landsmannschaften" ab. Der Name rührt wahrscheinlich von den studentischen Freiwilligen-corps der Freiheitskriege gegen Napoleon her. Zu den ältesten noch existierenden Corps ge-hört das Corps Onoldia, das sich auf einen Zirkel aus dem Jahre 1798 zurückführt.
1814 wurde die erste Burschenschaft gegründet und 1815 kam es in Jena zur Gründung der Jenenser Burschenschaft als einer alle Studenten umfassenden Gemeinschaft. Alle in Jena ansässigen "Alten Landsmannschaften" lösten sich auf. Ziel war es, eine Gemeinschaft aller an deutschen Universitäten studierenden Studenten zu gründen. 1817 kam es auf der Wartburg zu einer Versammlung mehrerer Burschenschaften, um eine alle Universitäten umfassende Bur-schenschaft zu gründen. Diese Versammlung ist uns allen als Wartburgfest bekannt. Hier wurde zum erstenmal öffentlich der Wunsch nach einem geeinten Deutschland als Nationalstaat vernommen. Danach wurde es bis 1833 ruhig um die Burschenschaften.
Ab 1830 entstanden die "Neuen Landsmannschaften" als Gegenbewegung gegen die erstark-enden Corps. Ein Verbot von Burschenschaften in Göttingen führte zur Auflösung nahezu aller Verbindungsformen. Die Corps traten danach am stärksten zurück in die Öffentlichkeit und sorgte für einen gewissen Eliteanspruch in den Reihen der Corpsstudenten. Deshalb gründeten einige nicht den Corps angehörige Studenten in der Tradition der "Alten Landsmannschaften" die "Neuen Landsmannschaften". 1868 wurde der Allgemeine Landsmannschafterverband gegründet. Die meisten "Neuen Landsmannschaften" lehnten Standesunterschiede ab und verfolgten weder politische noch religiöse Ziele und lehnten es ab, jeden Studenten zur Mitgliedschaft in einer Verbindung zu zwingen.